ERFA Öffentliche Verwaltung Deutschschweiz 2018 – Ethik und Interne Revision - eine Standortbestimmung

Einleitung

Die ERFA-Gruppe Öffentliche Verwaltung hat sich am 19. April 2018 in Bern in der Aula des Eidgenössischen Personalamtes getroffen. Zu dem halbtägigen Seminar haben sich 42 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem öffentlichen Sektor zusammengefunden. Auslöser und Hintergrund des Seminars war der verstärkte Fokus der Internen Revision auf den Bereich Ethik. Seit 2017 verlangt IIA Global im Bereich Ethik zwei absolvierte Ausbildungsstunden pro Jahr. Auch verlangt der IIA-Standard 2060, dass die Interne Revision in ihrer Berichterstattung Auskunft über die Einhaltung des Ethikkodex gibt.

Ziele des Seminars waren eine Standortbestimmung und ein Erfahrungsaustausch zu folgenden Fragestellungen:

Was verstehen wir unter Ethik? Wo liegen die Grenzen und was ist (noch) tolerierbar? Weisen die letzten Skandale darauf hin, dass die wesentlichen Grundsätze der Ethik vergessen gingen? Wenn ein Unternehmen eine gute Ethik-Kultur besitzt, was bedeutet das für die Interne Revision? Wie werden die ethischen Grundsätze der verschiedenen Berufsgruppen bei einem (Ober-)Aufsichtsorgan berücksichtigt? Gibt es immer eine eindeutige Antwort auf die Interessenkonflikte, die im Alltag der Internen Revisorinnen und Revisoren auftreten können?

Die Referierenden haben das Thema unter verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und dank ihrer persönlichen Erfahrungen in der Praxis reich illustriert.

Referate

Herr Konrad P. Meyer, Vizepräsident Transparency International, Chapter Schweiz, hat die Rolle und Aufgaben der Internen Revision sowie die «Grenzen der Ethik» dargestellt. Hier hat er insbesondere den Skandal der «Schwarzen Kassen» im Siemens Konzern um die Jahrtausendwende als praktisches Beispiel beleuchtet. Als Korruption im Ausland nicht mehr geduldet wurde, hat das Management nach aussen die Einhaltung des Korruptionsverbotes kommuniziert. Intern hat es seine Einstellung und Praxis jedoch nicht geändert und über ein komplexes System von Schwarzen Kassen eine Korruptionsreserve bewirtschaftet. Die Interne Revision war aufgrund ihrer Stellung (4. Management-Ebene) und der personellen Besetzung (keine Revisionsspezialisten, Trainee-Etappe für zukünftige Manager im Konzern) nicht gegen eine solche Handhabe gewappnet. Neben der Bedeutung einer funktionierenden Internen Revision hat das Beispiel aufgezeigt, wie wichtig es ist, den von der Gesellschaft geduldeten Toleranzbereich ethischer Werte zu beobachten und auf deren Veränderungen rechtzeitig und schlüssig zu reagieren.

Frau Martina Zehnder hat ethische Zielkonflikte zur Diskussion gestellt, die sie in Anlehnung an konkrete Erfahrungen als Leiterin Konzernrevision, Schweizerische Post AG, erarbeitet hat. Anhand von konkreten Beispielen hat sie illustriert, wie unterschiedlich die Interpretation von internen Weisungen und Indikatoren in der Praxis sein kann. Für einige Personen erscheint ein Verhalten unethisch, andere sehen in derselben Situation noch nicht einmal ein ethisches Konfliktpotential. Bei den Diskussionen der Teilnehmenden wurde deutlich, dass Theorie und Praxis nicht immer deckungsgleich sind.

Nach einer kurzen Kaffeepause mit angeregten Gesprächen hat Herr Eric-Serge Jeannet in seiner Rolle als Vizedirektor und Leiter der Fachbereiche der Eidgenössischen Finanzkontrolle verschiedene Aspekte der Ethik aus Sicht eines (Ober-)Aufsichtsorgans aufgezeigt. Er hat Fälle aufgeführt, in denen ethische Grundsätze zumindest dem Anschein nach nicht eingehalten werden. Diese Fälle betreffen den öffentlichen Bereich ebenso wie die Interne Revision und Aufsichtsfunktionen. Er hat anhand der Eidgenössischen Finanz¬kontrolle einige Präventivmassnahmen dargestellt, die die Risiken im Zusammenhang mit unethischem Verhalten reduzieren, sowohl auf der Ebene der einzelnen Mitarbeitenden als auch auf der Ebene der ganzen Organisation.

Zum Abschluss der Veranstaltung ist Denise Ducrest, Revisionsexpertin, Eidgenössische Finanzkontrolle, darauf eingegangen, wie leicht jeder in ethische Zielkonflikte geraten kann. Aufgrund verschiedener Rollen (Familie, Beruf, soziales Umfeld, …) entstehen verschiedene Erwartungen, Verpflichtungen und Wertekreise. Die Teilnehmenden haben anhand von interaktiven Fallbeispielen mehrere Situationen mit ethischen Zielkonflikten beurteilt. Annähernd 100 % der Teilnehmenden waren sich darüber einig, welches das korrekte berufsethische Verhalten wäre. Jedoch haben sie zum Teil grosses Verständnis gezeigt, wenn sich die im Fallbeispiel betroffene Person aufgrund ihres familiären und sozialen Hintergrunds anders, d. h. «unethisch» verhalten hat.

Fazit

Es ist wichtig, dass die ethischen Grundsätze bekannt sind und im Gedächtnis präsent bleiben, um Interessenkonflikte und schädigendes Verhalten im Unternehmen rechtzeitig aufzudecken. Auch müssen Unternehmen und Organisationen die gesellschaftlichen Entwicklungen beobachten und ihr Wertesystem kritisch hinterfragen. Bei dem Erfahrungsaustausch und der Besprechung von Fallbeispielen ist deutlich geworden, dass jede und jeder einzelne vielen Einflüssen ausgesetzt ist und verschiedenen Wertekreisen angehört. Dies kann die Einhaltung von theoretisch bekannten und anerkannten Prinzipien in der Praxis zu einer Herausforderung machen. Das rasche Erkennen von (eigenen) Interessenkonflikten und die rechtzeitige Suche nach Lösungen und Auswegen sind wichtig, um die schriftlichen Weisungen und Leitlinien zum Leben zu erwecken.

Nächste ERFA-Konferenz

Die nächste (ganztägige) Konferenz findet am 11. April 2019 im Ausbildungszentrum des Eidgenössischen Personalamts in Bern statt. Das behandelte Thema wird die «Zusammenarbeit zwischen Interner Revision und Externer Revision sowie Kontroll- und Aufsichtsorganen». Wir freuen uns bereits jetzt auf eine zahlreiche Teilnahme. Die Einladung wird zusammen mit dem Programm frühzeitig auf der Webseite von IIA Switzerland veröffentlicht werden.